Zwei Jahre Inkformal Tattoo – Ein Interview mit Dennis Baukau

Zwei Jahre Inkformal Tattoo – Ein Interview mit Dennis Baukau

Im Juni 2017 gründete Dennis Baukau, zusammen mit seiner Partnerin Britta Keck, das Tattoo Studio Inkformal Tattoo in Hamburg und hat seitdem mehr geschafft als andere Tätowierer in ihrer gesamten beruflichen Laufbahn.

In nur eineinhalb Jahren schafften es Dennis und Britta die weltweit angesehensten Tätowierer nach Hamburg zu bringen und regelmäßig noch einen nachzulegen. Ihr Shop in der Weidestraße 135 in Hamburg ist auffällig unauffällig. Die Beiden setzen auf Understatement und Klasse statt Masse. Nur bei den Tätowierungen wird alles an Kreativität rausgelassen was geht und einmal komplett ausgeartet.

Nach nun fast 2 Jahren Inkformal Tattoo möchten wir von Dennis wissen: Wie kam es dazu? Wie läuft es sonst so? Und was sind die nächsten Ziele?

Dennis, du bist Inhaber von Inkformal Tattoo, du hast zurzeit 18 nationale und internationale Tätowierer/Gasttätowierer und tätowierst auch selbst sehr erfolgreich. Ist es schwierig alles unter einen Hut zu bekommen?

Dennis: Klar gibt es Momente, wo auch ich nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht. Sind Gasttätowierer da, bin ich oder wir oft montags – sonntags von 9 Uhr morgens bis 23uhr – 2uhr nachts im Laden und bekomme nur sehr wenig Schlaf. Trotzdem muss alles laufen. Ich bin sehr froh mit Britta eine Partnerin gefunden zu haben, die mich in allem unterstützt und mir den Rücken freihält, wo sie kann. Damit ich mich auf das Tätowieren konzentrieren kann. Ohne sie würde ich es nicht schaffen.

Auf eurer Website steht, ihr habt Dienstag-Freitag von 12- 17 Uhr geöffnet. Wie kommen die langen Arbeitstage zustande?

Dennis: Sind Gäste bei uns, sind Britta und ich ab 9 Uhr im Laden und bereiten alles vor. Putzen, Arbeitsplatz aufbauen und Britta macht Frühstück für alle. Um 11 Uhr kommen die Kunden. Dann wird so lange tätowiert bis das Projekt geschafft ist. Da jeder Tätowierer seine eigene Geschwindigkeit hat, kann es bei manch einem auch mal etwas länger dauern. Wird bis 23 Uhr tätowiert, muss das Tattoo noch versorgt werden usw., Fotos müssen dann auch noch gemacht werden. Eine Stunde ist da nichts. Naja, und danach wird dann wieder zusammen gegessen. Bis wir dann aus dem Laden sind, ist es 1 Uhr nachts – 2 Uhr nachts. Aber auch wenn wir keine Gasttätowierer in Studio haben, sind wir früher und länger im Shop als unsere Öffnungszeiten.

Britta organisiert also den Laden und du tätowierst. Arbeitet ihr denn schon immer zusammen?

Dennis: Wir arbeiten mittlerweile seit 8 Jahren zusammen. Am Anfang war ich von ihrer Idee als Shop Managerin im gleichen Laden, wie ich, zu arbeiten nicht gerade begeistert. Da wir auch privat ein Paar sind, hatte ich bedenken, ob es funktionieren würde. Wir einigten uns auf eine Woche Probe arbeiten, dann auf einen Monat, dann auf 3 Monate. Nun sind es 8 Jahre, die wir zusammenarbeiten und es könnte nicht besser laufen.

Das hört sich doch sehr positiv an! Wie zufrieden bist du denn mit allem?

Dennis: Als Künstler will oder sollte man sich ja immer weiterentwickeln. Ist man mit allem zufrieden, gibt es keinen Anreiz mehr dazuzulernen. Jeder gute Tätowierer, den ich kenne, ist nicht zufrieden mit seinen Arbeiten… Ich denke aber, wir sind alle nicht schlecht. Ich habe jedes Jahr sehr viele Tattooanfragen, die ich oft aus Zeitmangel nicht abarbeiten kann. Es fühlt sich schon ganz gut an so gefragt zu sein. Es ehrt einen schon sehr, dass so viele Kunden ein so großes Vertrauen in mich haben.

Was bedeutet denn aus Zeitmangel? Wie vergibst du denn deine Termine?

Dennis: Ich arbeite seit ein paar Jahren mit Terminformularen, die jeder Kunde bei uns auf der Internetseite ausfüllen kann. Einmal im Jahr findet dann die Terminvergabe statt. Meist habe ich aber dreimal so viele Terminformulare, als ich umsetzten kann. Das liegt daran, dass ich gleich für jeden Kunden so viele Termine einplane, dass sein Projekt in 12 Monaten abgeschlossen ist. Soll z.B. ein ganzer Arm tätowiert werden, plane ich mit 5-6 Tagessitzungen, also bekommt ein Kunde schon mal 6 Termine. Ich kann nicht so wahnsinnig viele Kunden annehmen, aber dafür garantieren, dass ihr Wunsch in einem Jahr oder in einem kürzeren Zeitraum umgesetzt werden kann.

Und mit dem Laden?

Dennis: Da läuft soweit alles gut. Ich würde sagen, ich kann mich glücklich schätzen, dass alles so gut funktioniert, wir so ein gutes Team sind und so geile Gasttätowierer bei uns haben.

Hattest du Zweifel, dass es nicht so ist?

Dennis: Auf jeden Fall! Mein Start als Tätowierer war rückwirkend betrachtet vielleicht nicht der Beste… Die Tätowierer, die mich “ausgebildet“ haben, waren jetzt nicht so die Tattoo Asse…Von der Hygiene ganz abzusehen. Aber hinterher ist man immer schlauer. Und der Schritt zu einem eigenen Studio kam auch eher notgedrungen und dadurch spontan. Natürlich sieht man da nicht alles durch die rosarote Brille und fragt sich, ob das alles umsetzbar ist, was man sich wünscht.

Und was soll noch kommen? Geht da noch was?

Dennis: Wir arbeiten momentan daran, den einen oder anderen Gasttätowierer, wie Britta immer sagt, “zu angeln“. Mit dem Bekanntheitsgrad der Tätowierer wird das allerdings auch immer schwieriger, weil die natürlich sehr gefragt sind. Ansonsten wollen wir uns weiterhin als gutes Studio etablieren und jede Menge Unikate unter die Haut bringen.

Hast du noch etwas was du loswerden möchtest?

Dennis: Ich möchte mich für das Vertrauen meiner Kunden bedanken! Bevor ich Inkformal Tattoo gegründet habe, war das schon sehr groß. Ich merke aber selbst, wie sehr es in den letzten Jahren noch zugenommen hat, was für mich natürlich toll ist. Ich freue mich über jeden Kunden, der mir den Freiraum gibt, mich kreativ auf seiner Haut auszulassen. Ohne so viele tolle Kunden wäre das ja auch alles nicht möglich. Dafür möchte ich nochmal Danke sagen!!!!