Der beschwerliche Weg zu einem hygienischen Tattoostudio

Der beschwerliche Weg zu einem hygienischen Tattoostudio

Wenn sich jemand dazu entscheidet selbstständig als Tätowierer zu Arbeiten, sollte derjenige schon wissen worauf er sich einlässt. Zum Beispiel, immer darauf achten das alles sauber und desinfiziert ist. Dabei aber niemanden in Gefahr bringen, bloß keine Ansteckung riskieren und lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig wischen. Für uns war das selbstverständlich, dass wir uns dementsprechend weiterbilden. Aber, das es im Tattoo-Hygienebereich ein so starkes Defizit an geschulten Behördenmitarbeitern gibt, hat uns schockiert.

Den ersten Besuch vom Gesundheitsamt bekamen wir in dem ersten Studio in dem wir damals arbeiteten. Zwei völlig eingeschüchterte Personen betraten den Laden. Sie stellten sich als Mitarbeiter des Gesundheitamtes Hamburg vor. Nach einem Rundgang, bei dem nichts zu beanstanden war, folgte ein: “Sie sollten den Kunden Decken geben, damit sie nicht frieren“ und “waschen Sie die Decken anschließend mit dem Produkt des Waschmittelherstellers, welcher ein großes grünes ‚A‘ vorne auf der Verpackung hat“. Mit diesen Aussagen verließen die beiden den Laden und hinterließen uns mit zwei Fragezeichnen in den Augen…

Beim Tätowieren verliert der Kunde Blut und dann sollen wir Decken kaufen, ihn damit zudecken und die Decken anschließend mit einem Waschmittel waschen was Mutti benutzt? Welches keine ausreichende desinfizierende Wirkung hat? Und dann darf der nächste Kunde die Blut versüfte Decke weiter benutzen? Nein, danke.

Bei der Eröffnung des nächsten Studios, riefen wir selbst bei der Behörde an und fragten, ob sie vorbeikommen können, um den Laden zuprüfen. Die Dame am Telefon war sehr freundlich, erwiderte aber recht schnell: “Wenn sie schon anrufen, muss ja alles sauber sein“.

Wieder vor den Kopf gestoßen beschlossen wir uns selbst um die Sache zu kümmern. So wurden wir auf Clean Protect aufmerksam. Clean Protect ist ein Unternehmen, welches sich mit dem Thema Hygiene beschäftigt. Sie geben Hygieneschulungen, beraten im Bereich Hygienemanagement und überprüfen die Hygienestandards in Arztpraxen, Tattoostudios und Beerdigungsinstituten.

Bei Ihnen absolvieren wir einen zwei tägigen Sachkundenachweis für Tätowierer und Piercer im Bereich Hygiene, wie empfohlen. Denn in Hamburg ist niemand zu solchen Hygiene – Auffrischungskursen verpflichtet — auch Ärzte nicht.

Jedes mal fühlen wir uns wieder ins Schulalter zurück gebeamt. Hinsetzten, Stift in die Hand und Block auf den Tisch. Zwei Tage vollgestopft mit Information — immer schön mitschreiben nicht vergessen! Und zwischendurch gibt es kleine Kuscheltiere zum anfassen, welche Fäkalkeime, Hepatitis B oder das HI-Virus veranschaulichen sollen. Unglaublich flauschig und dennoch äußerst wirkungsvoll abschreckend. Zu guter Letzt, um die Erinnerung an die Schulzeit voll aufleben zu lassen, hat Clean Protect dann auch noch für alle einen Test vorbereitet.
Hat man den und die zwei Tage überstanden, fühlt man sich nicht nur um einiges schlauer, sondern auch sicherer.

Mittlerweile denke ich, dass wir um einiges mehr drauf haben, als viele von den netten Leute des Gesundheitsamts. Was einen schon ein bisschen nachdenklich stimmt…

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